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Peabody Picture Vocabulary Test - 4. Ausgabe

Deutsche Adaption von A. Lenhard, W. Lenhard, R. Segerer & S. Suggate (2015)

Der Peabody Picture Vocabulary Tests - 4. Ausgabe (PPVT-4; Dunn & Dunn, 2007) ist international vermutlich das Standardinstrument bei Unterschungen zur Wortschatzentwicklung. Die deutsche Fassung des PPVT-4 ist so eng wie möglich an die Originalfassung angelehnt und misst den rezeptiven (Hör-) Wortschatz von Kindern im Alter von 3 Jahren 0 Monaten bis 16 Jahren 11 Monaten. Die vorliegende erweiterte, überarbeitete, kolorierte und ins deutsche übertragene Version stellt wie die früheren Versionen (Lloyd M. Dunn, 1959; Lloyd M. Dunn & Leota M. Dunn, 1981, 1997) ein normbasiertes Messinstrument mit breitem Leistungsspektrum dar, welches ohne Zeitbegrenzung durchgeführt wird. Der Test liegt als Papierversion vor und kann nur als Einzeltestung durchgeführt werden. Er enthält 228 Items, die jeweils aus einem gesprochenen Wort und einem zugehörigen Set aus vier farbigen Bildern bestehen. Die Aufgabe der Testperson besteht darin, dasjenige Bild auszuwählen, welches am besten zum vom Testleiter vorgesprochenen Wort passt.

Die 228 Items des PPVT-4 sind in 19 Itemsets mit jeweils 12 Items gruppiert. Die Sets sind in aufsteigender Schwierigkeit gereiht, so dass auf einfach Art und Weise jeweils nur die Sets appliziert werden können, die für den jeweiligen Leistungsstand eines Kindes von der Schwierigkeit her angemessen sind (Leistungsbereich). Es gibt jeweils altersspezifische Einstiegspunkte. Der Test wird abgebrochen, wenn die Anzahl an Lösungen der Testperson innerhalb eines Blocks nicht mehr über dem Zufallsniveau liegt. Da zu einfache und zu schwere Sets nicht vorgegeben werden, beträgt die Durchführungszeit normalerweise etwa 10 bis 20 Minuten. Der größte Teil der Auswertung, die einfach und objektiv durchzuführen ist, wird bereits während der Testdurchführung vorgenommen.


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Übertragung des Originalverfahren ins Deutsche

Ein maßgeblicher Motor für die Übersetzung des PPVT-4 vom Englischen ins Deutsche war der Wunsch, interkulturelle Studien zum Sprach- und Schriftspracherwerb besser durchführen zu können (z. B. Suggate, Reese, W. Lenhard & Schneider, 2014). Eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse ist allerdings nur dann gewährleistet, wenn beide Versionen des Tests möglichst ähnlich sind. Ziel der Übersetzung war es also, das Bildmaterial möglichst überhaupt nicht zu verändern und die einzelnen Zielwörter so nah wie möglich am amerikanischen Original anzulehnen. Aus diesem Grund wurden bei der Übertragung des PPVT-4 ins Deutsche die Häufigkeit und Gebräuchlichkeit der einzelnen Items in ihrer englischen und deutschen Variante sowohl von Personen mit englischer als auch von Personen mit deutscher Muttersprache sorgfältig eingeschätzt und verglichen.

Bei 20 Items konnte keine geeignete Übersetzung gefunden werden. In diesen Fällen wurde eines der Distraktorbilder des jeweiligen Items mit einem passenden deutschen Begriff von vergleichbarer Schwierigkeit versehen. Das ursprüngliche Targetbild fungierte dann also nur noch als Distraktor. In 9 weiteren Fällen wurde die Wortart verändert. Bei 13 Items wurden die Begriffe relativ frei übersetzt oder es wurde auf einen leicht unterschiedlichen Aspekt des Targetbildes fokussiert. Das Bildmaterial des Tests wurde hingegen komplett unverändert übernommen. Die neue Version wurde an einer Stichprobe von 400 Kindern und Jugendlichen komplett durchgeführt und auf der Basis dieser Daten eine erneute Reihung der Aufgaben nach Schwierigkeit vorgenommen.



Testgüte

Zur Güte des Verfahrens liegt eine Fülle an Untersuchungsergebnissen aus der Entwicklung der amerikanischen Originalfassung und der deutschen Adaption vor:

Objektivität

Durchführung des Tests sowie Auswertung und Interpretation der Ergebnisse sind im Manual detailiert beschrieben. Das Verfahren weist somit bei regelkonformer Anwendung ein hohes Ausmaß an Objektivität auf.

Reliabilität

Die folgende Tabelle enthält die Angaben zur internen Konsistenz und Split-Half-Reliabilitäten nach Alter, Klassenstufe und Untersuchungsblöcken. Die Retestreliabilität liegt für die deutsche Stichprobe für einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten bei rtt = .91.

Odd-Even-Split-Half-Korrelationen und Cronbach α nach Alter, Klassenstufe und Aufgabenblöcken

Alter

n

Split-Half

 

Klassen­stufe

n

Split-Half

 

Item­blöcke

n

Cron­bach α

3

113

.93

 

Vorschule

459

.94

 

1 - 9

499

.95

4

147

.94

 

1. Klasse

270

.93

 

2 - 10

500

.92

5

182

.93

 

2. Klasse

345

.92

 

3 - 11

481

.92

6

261

.94

 

3. Klasse

470

.97

 

4 - 12

632

.91

7

330

.94

 

4 . Klasse

412

.97

 

5 - 13

762

.90

8

424

.94

 

5. Klasse

428

.97

 

6 - 14

870

.88

9

410

.97

 

6. Klasse

727

.96

 

7 - 15

975

.86

10

408

.97

 

7. Klasse

470

.98

 

8 - 16

1051

.83

11

545

.95

 

8. Klasse

411

.99

 

9 - 17

1503

.82

12

507

.97

 

9. Klasse

338

.99

 

10 - 18

1871

.82

13

448

.98

 

10. Klasse

244

.98

 

11 - 19

1266

.84

14

359

.99

 

 

 

 

 

 

 

 

15

248

.99

 

 

 

 

 

 

 

 

16

150

.99

 

 

 

 

 

 

 

 

Gesamt

4532

.97a

 

 

4151

.97a

 

 

b

.87

a Das gewichtete Mittel wurde mittels Fisher Z-Transformation gebildet. Die Gruppengrößen gingen als Gewichte ein. Zu einem vergleichbaren Ergebnis (r = .963) gelangt man mit der von ConQuest (Wu et. al, 2007) vorgenommenen EAP/PV-Schätzung (Expected A-Posteriori/Plausible Values).
b Die Gesamtzahl an Fällen wird nicht berichtet, da sich die Gruppen bei der Berechnung der Kennwerte überlappen. Es gingen nur vollständige Fälle ein. Auf eine Ersetzung fehlender Werte wurde verzichtet.

Validität

Die Validität oder Gültigkeit eines Testverfahrens gibt an, wie gut das Verfahren dasjenige Persönlichkeitsmerkmal erfasst, welches es tatsächlich erfassen soll (Amelang & Schmidt-Atzert, 2006, S. 149). Damit die Schlussfolgerungen, die aus dem Messergebnis des PPVT-4 gezogen werden, korrekt sind, muss dieser also tatsächlich den altersspezifischen rezeptiven Wortschatz erfassen. Belege dafür finden sich in vielfältigen Gruppenvergleichen und Korrelationen mit anderen Testverfahren. Die Zunahme der Testleistungen über das Alter hinweg verläuft erwartungskonform und auch der Vergleich von Testleistungen zwischen muttersprachlich deutschen und bilingualen Kindern und Jugendlichen entspricht den Annahmen:

Altersverlauf der im Mittel erzielten Leistungen

Leistungsunterschiede in Abhängigkeit des sprachlichen Hintergrunds

Anmerkung:

  • DaZ = Deutsch als Zweitsprache
  • DaF = Deutsch als Familiensprache

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Normierung

Die Ergebnisse des PPVT-4 werden als T-Werte (M = 50, SD = 10) mit 90%- oder 95%-Konfidenzintervall ausgegeben. Die Normierung erfolgte im Zeitraum von September 2013 bis April 2014 und umfasste die Datensätze von 4880 Kindern und Jugendlichen aus sieben verschiedenen deutschen Bundesländern. Für jede Klassenstufe sowie für Kinder aus dem Kindergarten wurden anhand der Angaben des Statistischen Bundesamtes und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Statistisches Bundesamt, 2012) soziodemographische Quoten hinsichtlich Geschlecht, Schulart und Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund definiert. Bei Überrepräsentation eines dieser Merkmale in Folge der geclusterten Datenerhebung wurden aus der überrepräsentierten Gruppe so viele Kinder per Zufallsauswahl entfernt, bis die Zielquote erreicht wurde. In der repräsentativen Normstichprobe verblieben schließlich die Daten von 3555 Kindern und Jugendlichen im Alter von 2,59 bis 17,99 Jahren, auf deren Basis mittels eines speziellen Verfahrens (non-parametrische kontinuierliche Normierung) die Normwerte generiert wurden. Die Altersfenster wurden bei der Erstellung der Normwerttabellen so gewählt, dass sie die unterschiedlich schnelle Entwicklung in den verschiedenen Altersbereichen möglichst gut abdecken können. In den unteren Altersbereichen umfassen sie Intervalle von 2 Monten und wachsen dann sukzessive auf Intervalle von 6 Monaten für die höchsten Altersstufen an. Die Tabellen reichen von T-Wert 28 bis 72. Dies entspricht in etwa Prozentrang 1 bis 99.


Bezugsquelle

Der Peabody Picture Vocabulary Test ist ein international sehr weit verbreitetes Standardverfahren, das von Pearson Assessment vertrieben wird. Die deutschsprachige Adaption erfolgte im Auftrag der Pearson Deutschland GmbH und kann hier bestellt werden.