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Evaluation von conText

Zur Überprüfung der Effektivität wurde conText mit einer etablierten Fördermaßnahme verglichen, bei der explizites Lesestrategiewissen vermittelt wird. Beim expliziten Interventionsansatz handelte es sich um das Programm "Wir werden Lesedetektive" (Rühl & Souvignier, 2006), das im Rahmen von Unterrichtsgesprächen sowie Partner- und Individualarbeit vier Strategien explizit vermittelt. Die Strategien werden den Schülerinnen und Schülern zunächst kommuniziert und zusammen reflektiert, bevor sich konkrete Übungen anschließen. Der Schwerpunkt des Programms liegt aber auf der Vermittlung deklarativen Lesestrategiewissens und nicht auf dessen Anwendung. conText zielt demgegenüber auf den impliziten Erwerb der Strategien durch geleitetes Üben und verzichtet fast vollständig auf die Vermittlung deklarativen Wissens. Beide Ansätze wurden zudem mit einer Kontrollgruppe verglichen, die lediglich an regulärem Deutschunterricht teilnahm (detailliertere Beschreibung der Untersuchung siehe W. Lenhard, Baier, Endlich, A. Lenhard, Schneider & Hoffmann, 2012).


Stichprobe

Als Stichprobe dienten Schüler von Hauptschulen der Klassenstufe 6. Aus der PISA-Studie ist bekannt, dass in der Hauptschule der Anteil an schwachen Leserinnen und Lesern stark erhöht ist. Es nahmen 14 Klassen an der Untersuchung teil. Die Stichprobengröße betrug insgesamt 226 Schülerinnen und Schüler.


Methodik

Die Förderung mit conText bzw. mit "Wir werden Lesedetektive" erstreckte sich über ein ganzes Schuljahr mit einer Sitzung alle zwei Wochen. Die Kontrollgruppe hatte in dieser Zeit regulären Deutschunterricht. Vor und nach der Untersuchung wurde die verbale Intelligenz (Subtest "Analogien" aus dem KFT 4-12+; Heller & Perleth, 2000), die Leseflüssigkeit (Salzburger Lese-Screening 5-8; Auer, Gruber, Mayringer & Wimmer, 2005), deklaratives Lesestrategiewissen (Lingel, Neuenhaus, Artelt & Schneider, 2010) und Leseverständnis (Frankfurter Leseverständnistest 5-6, FLVT 5-6; Souvignier, Trenk-Hinterberger, Adam-Schwebe & Gold, 2008) untersucht. Die Effekte der Programme wurden varianzanalytisch ausgewertet. In den post hoc Tests wurde zur Verhinderung der Alpha-Inflation das Alpha-Niveau mittels der Bonferroni-Holm-Prozedur adjustiert.


Ergebnisse

Die Gruppen unterschieden sich zu Beginn nicht hinsichtlich des Alters, der Geschlechtsverteilung und des Auftretens von LRS. Lediglich der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund war in der Kontrollgruppe erhöht, was sich jedoch als nicht relevant für die weiteren Analysen erwies.


Am Ende des Förderzeitraums hatte sich die verbale Intelligenz in den drei untersuchten Gruppen nicht unterschiedlich stark verändert. Allerdings fanden sich bedeutsame Gruppenunterschiede in den anderen drei Variablen: Sowohl die conText-Gruppe als auch die Lesedetektive-Gruppe schnitten hinsichtlich der Leseflüssigkeit signifikant besser ab als die Kontrollgruppe (d = 0.60 bzw. d = 0.34). Außerdem zeigte sich bei dieser Variable auch eine Überlegenheit von conText gegenüber den Lesedetektiven (d = .29).




Das Lesestrategiewissen nahm sowohl bei den Lesedetektiven (d = .52) als auch bei conText (d = .49) im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich stärker zu. conText und Lesedetektive unterschieden sich in Bezug auf die Verbesserung des Lesestrategiewissens dagegen nicht signifikant von einander.


Im Hinbick auf das für die Untersuchung vor allem relevante Leseverständnis zeigte sich nur zwischen conText und der Kontrollgruppe ein signifikanter Unterschied (d = .59). Die Förderung mit den Lesedetektiven verbesserte das Leseverständnis hingegen nicht signifikant stärker als normaler Deutschunterricht.


Diskussion

Das Ziel, mittels conText das Leseverständnis zu verbessern, wurde erreicht. Die mit dem Programm geförderten Schülerinnen und Schüler der sechsten Jahrgangsstufe der Hauptschule zeigten im Laufe eines Schuljahres höhere Zuwächse an Leseflüssigkeit, Leseverständnis und Lesestrategiewissen als Kinder ohne spezielle Förderung. Die Effekte bewegten sich im mittleren bis hohen Bereich. Außerdem erwies sich das geleitete Üben, wie es bei conText angewandt wird, hinsichtlich des Leseverständnisses auch der expliziten Vermittlung von Strategiewissen als überlegen. Selbst das deklarative Lesestrategiewissen, das bei conText gar nicht explizit gefördert wird, verbesserte sich in beiden Interventionsgruppen in gleichem Maße. conText fördert also verschiedene Aspekte des Lesens besser als herkömmlicher Hauptschulunterricht und mindestens genauso gut oder besser als ein etabliertes Programm zur Leseförderung.