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Diagnose von Teilleistungsstörungen: Der TLS-Rechner*

Von einer "Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (F81)" (auch als Teilleistungsstörung bezeichnet) spricht man, wenn trotz guter kognitiver Grundfertigkeiten und ausreichender Beschulung ein Kind/Jugendlicher in isolierten schulischen Leistungsbereichen ungenügende Leistungen zeigt. Da die schulische Leistung schlechter ausfällt als die Grundfähigkeiten vermuten lassen, ist das Scheitern erwartungswidrig. Die ICD-10 unterscheidet vier verschiedene Formen:

  1. Lese- und Rechtschreibstörung (F81.0)
  2. Isolierte Rechtschreibstörung (F81.1)
  3. Rechenstörung (F81.2)
  4. Kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten (F81.3)

Über die Voraussetzungen zur Diagnose einer umschriebenen Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten wurde in den letzten Jahren viel diskutiert. Für die Lese- und/oder Rechtschreibstörung bei Kindern und Jugendlichen wurde 2015 von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) eine Evidenz- und konsensbasierte Leitlinie herausgegeben, in der zwei verschiedene diagnostische Ansätze nebeneinander stehen:

  1. Kriterium der Alters- oder Klassennormdiskrepanz:

    Hierbei wird durch einen normierten Schulleistungstest ermittelt, wie stark die Lese- oder Rechtschreibleistung eines Kind von der durchschnittlichen Leistung von Kindern des gleichen Alters oder der gleichen Beschulungsdauer abweicht. Damit eine Teilleistungsstörung diagnostiziert wird, sollte die Diskrepanz mindestens 1,5 Standardabweichungen (SD) betragen. Das Kriterium der Alters- oder Klassennormdiskrepanz wird vor allem von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) stark empfohlen.

  2. Kriterium der IQ-Diskrepanz:

    Hierbei muss die Schulleistung des Kindes bedeutsam niedriger liegen als aufgrund der Intelligenz zu erwarten ist. Zusätzlich muss die betreffende Schulleistung des Kindes mindestens eine Standardabweichung unterhalb der Klassennorm in der jeweiligen Schulleistung liegen. Das Kriterium der IQ-Diskrepanz wird vor allem von der Bundesvereinigung Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter (BVKJ) stark empfohlen.

Der Grundgedanke des IQ-Diskrepanz-Kriteriums liegt also darin, dass aufgrund der Intelligenzleistung eine bestimmte Leistung im jeweiligen Teilbereich (d.h. Lesen, Schreiben oder Rechnen) erwartet wird. Für die Diagnose einer umschriebenen Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten ist es deshalb zentral, wie diese "erwartete" Schulleistung auf der Basis des Ergebnisses eines Intelligenztests ermittelt wird. Auch hierfür gibt es im Wesentlichen wiederum zwei verschiedene Ansätze: Man unterscheidet die "klassische" Diskrepanzdefinition und das Regressionsverfahren, die beide vom Programm durchgeführt werden können:

  1. Regression (Grundeinstellung des Programms):
    Anhand der Korrelation eines Testverfahrens mit der Intelligenz wird mittels Regression geschätzt, welches Leistungsniveau im Schulleistungstest aufgrund der Intelligenz zu erwarten ist. Unterschreitet ein Kind diesen Wert um einen bestimmten Betrag (i.d.R. 1,5 SD, bei vorliegen weiterer klinischer Evidenz reicht auch 1,0 SD), wird von einer Teilleistungsstörung ausgegangen. Bei der Leseleistung beträgt die Korrelation mit der Intelligenz beispielsweise etwa r = .4 (siehe auch ELFE II, W. Lenhard, Lenhard & Schneider, 2017). Diese Korrelation sollte für die Diagnose einer Lese- und/oder Rechschreibstörung auch im Programm verwendet werden, sofern die tatsächliche Korrelation zwischen Intelligenz- und Leistungstest nicht bekannt ist. Wenn Sie hingegen andere Schulleistungstests verwenden, bei denen die Korrelation mit der Intelligenz bekannt ist, so sollten Sie mit dem Ziel einer genaueren Diagnose die empirisch ermittelte Korrelation verwenden. Im Bereich mathematischer Leistungen liegt der Zusammenhang mit der Intelligenz in der Regel etwas höher als bei Lese-Rechtschreibleistungen (ca. r = .5).

  2. Einfache Diskrepanz:
    Von einer Teilleistungsstörung wird ausgegangen, wenn eine fest vorgegebene Differenz an T-Wertpunkten zwischen Intelligenz- und Testleistung erreicht oder überschritten wird. Es wird also fälschlicherweise davon ausgegangen, dass aus einem bestimmten Wert im Intelligenztest eine ebenso hohe (bzw. niedrige) Leistung im Schulleistungstest prognostiziert werden kann. Dies wäre nur dann der Fall, wenn beide Verfahren zu 1.0 miteinander korrelieren würden, was tatsächlich aber nicht der Fall ist. Da dieser Ansatz also auf falschen Grundannahmen basiert und leistungsschwache Kinder stark benachteiligt werden, wird dringend die Verwendung des Regressionsansatzes empfohlen.

  3. Der Teilleistungsstörungsrechner ermöglicht es, die Diagnose automatisch zu erstellen und als Wortgutachten und grafisch auszugeben. Dabei lassen sich alle Parameter frei konfigurieren (siehe Hilfe). Bitte beachten Sie allerdings, dass das Programm bereits vor der Herausgabe der neuen Leitlinien erstellt wurde. Die Wortgutachten besitzen demzufolge ggf. keine Gültigkeit mehr.



    Download des TLS-Rechners



    * Der TLS-Rechner verwendet zur Darstellung und Berechnung von Normwerten die Bibliotheken JFreeChart und JGoodies FormLayout.